Arztbesuch wird einfacher

Patienten könnten künftig auch in der Region ihren Blutdruck zuhause
messen und online dem Hausarzt übermitteln. Symbolfoto: Frey/dpa
Ärzte sollen Diagnosen via Internet stellen, Klinikdoktoren zeitweise in ländlichen Hausarztpraxen
arbeiten und Patientenakten vereinheitlicht werden: Aus einer Zukunftswerkstatt im
Rahmen der Stadt-Umland-Strategie sind in Sachen medizinischer Versorgung konkrete
Ideen entstanden. Einige werden nun in der Praxis ausprobiert

Die Stadt-Umland-Strategie
nimmt im Bereich der
Verbandsgemeinde Zweibrücken-
Land konkrete Gestalt
an. Nachdem die Bürgerbeteiligung
vor einem Jahr begonnen
hatte, sind mittlerweile im Rahmen
einer Zukunftswerkstatt
konkrete Ideen entstanden, wie
etwa der Ärztemangel auf dem
Land bekämpft und die medizinische
Versorgung optimiert
werden soll. Drei dieser Ideen
werden gerade einem Praxistest
unterzogen.

Zum einen geht es um das Entlassmanagement.
Hier sind gewisse
Standards mit Beteiligten
der hiesigen Kliniken, Hausärzten
und Pflegestationen verabredet
worden. Prozesse sollen
standardisiert und professionalisiert,
Dokumente vereinheitlicht
werden. So soll etwa sichergestellt
werden, dass keine Informationen
verloren gehen, wenn
jemand etwa aus dem Krankenhaus
in eine Altenpflegeeinrichtung
wechselt. Auch Doppeluntersuchungen
sollen so vermieden
werden. Eine Schlüsselrolle
soll dem Hausarzt zufallen.
Das ist auch bei der zweiten Idee
ähnlich. Hier geht es um eine
„mobile Plattform“. Die Ergebnisse
zuhause durchgeführter
Untersuchungen, etwa des Blutdrucks
oder des Zuckerwerts,
könnten die Patienten dorthin
via Internet übertragen, der
Hausarzt sie auswerten und bequem
und schnell mit den Patienten
in Kontakt treten. Das erspart
die Fahrt in die abgelegene
Praxis. „Es ist vor allem deshalb
für den ländlichen Raum interessant,
weil im Landkreis das
schnelle Internet ausgebaut
wird. Es könnte eine Lösung dafür
sein, die Telemedizin in die
Wohnzimmer zu bringen“, so
Verbandsbürgermeister Jürgen
Gundacker. Bei weniger akuten
Erkrankungen könnte der Hausarzt
nämlich seine Diagnose per
Webcam stellen.

Medizinischer Nachwuchs

Die dritte Idee wurde innerhalb
des Zweibrücker Ärztenetzwerks
vorgestellt. Demnach sollen Klinikassistenzärzte
in Hausarztpraxen
hospitieren können. So
lässt sich medizinischer Nachwuchs
für ländliche Praxen finden
und dem Ärztemangel entgegenwirken.
Außerdem können
die eingesessenen Hausärzte
leichter potenzielle Nachfolger
finden. Involviert in die Umsetzung
sind Thomas Frank, der
Pflegedirektor des Nardini-Klinikums,
Mario Sauder, Kreisgeschäftsführer
des Deutschen Roten
Kreuzes und Dr. Dieter Sambach
aus Contwig sowie das dortige
Haus Sarepta. ek