Zeit und Raum für neue Lernmodelle

Am Nachmittag finden zahlreiche AG’s wie hier die Musik-AG statt (li: Markus Schwartz). Foto: Nicole Noll
Lernen in der Gemeinschaftsschule – das stellt Lehrer und Schüler vor Herausforderungen,
denn sie muss heute jungen Menschen, aus allen Kulturen und sozialen Milieus kommend,
möglichst individuelle Bildungswege ermöglichen und dazu noch Spaß machen. Die GemS
Rohrbach setzt nun auf die gebundene Ganztagsschule und gewinnt etwas Wertvolles: Zeit.

Die Entscheidung wurde auf
breiter Basis getroffen, obwohl
sich der schulische Alltag bis in
die fortgeschrittenen Nachmittagsstunden
ausdehnt. Elf Unterrichtsstunden
pro Woche sind
dazugekommen – das klingt für
Schüler erst mal nicht attraktiv.
Die Vorteile für Lehrer und Eltern
liegen dagegen sofort auf der
Hand: flexiblere Arbeits- und längere
Betreuungszeiten. In diesem
Schuljahr gibt es noch zwei
Modelle, Ganz- und Halbtag,
doch dreizehn von neunzehn
Klassen haben sich für das
Ganztagsmodell entschieden.

Was ist besser, Ganztags- oder
Halbtagsunterricht? „Wir fordern
und fördern jeden Schüler
entlang seines individuellen
Leistungsniveaus, das wir ausschöpfen
wollen. Die Ganztagsschule
bietet dafür einen optimaleren
Rahmen, denn die
Schüler können nicht nur individueller
lernen, sondern während
der neu eingeführten individuellen Lernzeit (IL) Defizite in Mathematik,
Deutsch und Englisch
aufarbeiten“, erklärt Nicole Noll,
Lehrerin an der GemS Rohrbach.
Das macht fünf Stunden, die
restlichen verteilen sich auf eine
verlängerte Mittagspause – Zeit
für die Mensa und ein vertieftes
Lehrer-Schülergespräch – sowie
auf Projekte und das freie Spiel.
Hört sich gut an!

Nachmittags verhalten
sich Kinder anders

Laut Bertelsmann-Studie von
2016 sind genau dies die herausragenden
Stärken einer Ganztagsschule.

Der Faktor Zeit spielt
Schülern Lernchancen zu, die
sie in einem hektischen Schulalltag
nicht haben. Und Lehrern gelingt
in kleinen Fördergruppen
die Binnendifferenzierung besser
als ihren Kollegen im Halbtagsunterricht.
Unterschiedliche
Sprachniveaus – ein drängendes
Problem in allen Gemeinschaftsschulen
– wird an der GemS mittels
individueller Lernzeit und
Münsteraner Lernserver handlebar.
„Auch können wir Schüler
stärker motivieren, ihren Interessen
nachzugehen. Durch unsere
sportlichen, musischen und kulturellen
Angebote decken wir eigentlich
alle Neigungen und Potentiale
ab, die Schüler mitbringen
und sonst nicht unbedingt
entfalten könnten“ kommentiert
Didaktikleiter Markus Schwartz
die zahlreichen AG’s, Projekte
und Spielmöglichkeiten, die am
Nachmittag neben den IL-Stunden
stattfinden. In Punkto Ausstattung,
so die Bertelsmann-
Studie, liegen Ganztagsschulen
deutlich vorn, weil Räume, Gelände
und Spielgeräte, so auch in
der GemS, förmlich zu Aktivitäten
einladen.

Ganztagsmodell öffnet
Schule in beide Richtungen

Um das füllige Ganztagsprogramm
abzudecken, kooperiert
die Schule mit externen Partnern,
die den Fachunterricht ergänzen
oder sinnvoll stützen.

„Wir sind von der Flüchtlingswelle
richtiggehend überrollt worden.
Wir hatten keinen Masterplan
und mussten binnen kürzester
Zeit 75 syrische Kinder in
den Unterricht integrieren – und
zwar so, dass sie von Beginn an
auf ihrem fachlichen Niveau daran
teilnehmen konnten. Das gelang
nur mit viel Engagement
und zusätzlichen Sprachlehrern“,
erklärt Schulleiterin Susanne
Fritz das Prinzip der
Durchlässigkeit. Abschotten
kann sich die Ganztagsschule jedenfalls
nicht. win